Einkauf schon heute für morgen

Jan Bock, Leiter Einkauf Lidl Deutschland,
über Nachhaltigkeit im Sortiment

Was geht einem durch den Kopf, wenn man tagtäglich – wie in meinem Job – für eines der großen Handelsunternehmen bei den unterschiedlichsten Erzeugern und Herstellern einkauft? Man denkt an die Produkte, wie sie in Flaschen und Tüten in unseren Filialen präsentiert werden. Man denkt an die Verpackungen, die zwar die Qualität sichern, aber auch weniger werden sollten. Manchmal hofft man auch nur, dass das Wetter hält, weil die Gartenmöbel zum ersten Mal in der Saison verkauft werden. Als Einkäufer denke ich an Qualität, den Preis, die Kosten und an die Nachfrage bei unseren Kunden. Aber ich spüre auch die immense Verantwortung eines großen Handelsunternehmens, das sich mit Umsicht bewegen muss, weil es Teil eines komplexen Kreislaufs ist.
Für den Einkauf unserer rund 2.600 Eigenmarkenartikel verhandeln wir jeden Tag hart mit Tausenden von Lieferanten. Wir sind Lidl, ein Discounter. Es ist unsere Aufgabe, im Einkauf auf den Cent und auf die Kommastellen danach zu schauen. So wie es unsere Kunden auch tun, wenn sie zu Hause die Angebote in den Handzetteln der Lebensmittelhändler vergleichen. Doch wir müssen darüber hinaus immer auf Fairness achten. Sonst gefährden wir die Grundlagen unseres Geschäfts.

 

Fair zu handeln, ist für uns nicht nur soziales Gebot. Es ist auch eine betriebswirtschaftliche Pflicht. Denn wer sich als Kunde oder Lieferant nur einmal nicht gut behandelt fühlt, will in Zukunft nichts mehr mit uns zu tun haben.

„Fair zu handeln ist für uns nicht nur soziales Gebot. Es ist auch eine betriebswirtschaftliche Pflicht.“

Jan Bock

Insgesamt hat Lidl 279 Food Bioartikel und 40 Non-Food Bioartikel im Angebot.

Neben Fairtrade-zertifizierten Bananen führt Lidl rund 20 weitere Artikel mit dem bekannten Siegel.

„Unser Anspruch sollte sich mit den Wünschen der Verbraucher und der Produzenten decken: Sie verlangen, dass Lidl mit Umsicht und Respekt vorgeht.“

Jan Bock

Verbraucher wollen Nachhaltigkeit, wir auch
Was bedeutet das konkret? Lidl kauft z.B. enorme Mengen Kakao aus dem Fairtrade-Kakao-Programm ein. Daraus lassen wir etwa die Schokolade „Fin Carrée Zartbitter“ herstellen, die wir für 55 Cent pro Tafel, ein Preis der sogenannten Einstiegsstufe, ins Regal stellen. Die Menge macht es uns möglich, den Preis niedrig zu halten und trotzdem „fair“ einzukaufen. Denn Lidl verkauft mehrere zehn Millionen Stück von diesem Artikel – so können wir den fairen Handel in die „Mitte der Gesellschaft“ bringen und für viele Kunden bezahlbar machen.

Ein Discounter muss nachhaltig handeln. Schokolade ist nur eines von vielen Beispielen. Nehmen wir das Tierwohl. Die öffentliche Debatte zeigt: Unsere Kunden wollen mehr über die Haltungsbedingungen erfahren, unter denen das Geflügel, die Rinder und die Schweine aufwachsen und deren Fleisch wir verkaufen. Lidl war 2018 das erste deutsche Handelsunternehmen, das hier Verantwortung übernommen und mit dem Lidl-Haltungskompass eine leicht verständliche vierstufige Kennzeichnung – von Stallhaltung bis Bio – angekündigt und eingeführt hat. Auf jeder Fleischverpackung befindet sich nun ein gut sichtbarer Hinweis, wie die Tiere gehalten wurden. Selbstverständlich differenziert auch der Preis: Bioartikel in der Stufe 4 kosten mehr als konventionelle Ware. Produkte der Stufe 3, „Außenklima“, die an den Richtlinien der „Einstiegsstufe“ des Deutschen Tierschutzbundes angelehnt sind, liegen im Preis höher als die der Stufen eins und zwei. Schon heute kann der Verbraucher so selbst wählen, was er bevorzugt und welchen Beitrag er für mehr Tierwohl leisten kann und will.

Weniger ist mehr
Unser Anspruch sollte sich mit den Wünschen der Verbraucher und der Produzenten decken: Sie verlangen, dass Lidl mit Umsicht und Respekt vorgeht. Gerade in der landwirtschaftlichen Produktion sind aber viele offene Fragen zu beantworten. Doch was hat Lidl mit dem Bienensterben zu tun, mit der Überdüngung von Böden, mit der Belastung durch Pflanzenschutzmittel oder mit Treibhausgasemissionen beim Transport? Indirekt eine ganze Menge, als großer Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland. Bienen sind z.B. für die Bestäubung von Blumen und Pflanzen, deren Früchte wir verkaufen, unersetzlich.

Wir sind stolz auf die über 130 Obst- und Gemüsesorten auf den Frischepodesten in unseren 3.200 deutschen Filialen. Es gibt dort frische Äpfel, Salate und Radieschen, die gerne gekauft werden, wenn sie so angebaut und gezogen werden, wie der Verbraucher es möchte. Im Sommer kommt unser Freilandgemüse deshalb zu fast 100 Prozent aus Deutschland. Die Wege sind kurz, vom Feld in die Filiale dauert es oft nicht länger als 24 Stunden. Schon vor über zehn Jahren haben wir mit unseren Lieferanten ein Konzept erarbeitet, nach dem bis zu maximal ein Drittel der gesetzlichen Höchstgehalte von Rückständen zulässig ist. Bei uns gibt es aber auch tropische Früchte. Alle Bananen tragen bei uns das Fairtrade- oder das Rainforest-Alliance-Siegel.

 

 

Was für Obst und Gemüse gilt, funktioniert ebenso mit Produkten in der Milchwirtschaft. 2016 haben wir deshalb als erster Händler in Deutschland angefangen, unser gesamtes Sortiment an Molkereiprodukten auf gentechnikfreie Fütterung umzustellen. Bei 80 Prozent unserer Produkte haben wir das geschafft – und nahezu der gesamte deutsche Handel ist uns gefolgt. Wie konnten wir das erreichen? Indem wir mit vielen unserer Milchbauern bereits seit 40 Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. Wir sind zusammen groß geworden.

Kritische Verbraucher, kritischer Discounter
Wir sind als Unternehmen also mehr als nur ein Händler von Produkten. Aber ist mit unserem Geschäft wirklich eine große gesellschaftliche Verantwortung verbunden? Man kennt die Debatte aus anderen Branchen, etwa aus den sozialen Medien. Unsere Aufgabe ist es, über den Händler hinaus ein kritischer und gestaltender Lieferant für die Mitte der Gesellschaft zu sein, der über sein Angebot viele Dinge bewegen kann. Wenn wir handeln, hat das relevante Auswirkungen. Im Rahmen unserer Reduktionsstrategie, durch die wir bis 2025 den zugesetzten Zucker- und Salzanteil in unseren Eigenmarken um ein Fünftel reduzieren wollen, zeigt sich das. Ein Beispiel: Durch veränderte Cerealien-Rezepturen haben wir in den letzten Jahren weit über 8.000 Tonnen Zucker eingespart. Das ist zusammen mit Ernährungsbildung und Verbraucherinformation ein spürbarer Beitrag gegen Übergewicht, Diabetes und Co.

Lidl ist einer der größten Vertriebskanäle für Produkte, die Menschen in Deutschland essen, trinken, anziehen und im Alltag nutzen. Rein statistisch gesehen kaufen fast 80 Prozent aller Menschen in Deutschland mindestens einmal im Jahr bei uns ein. Sie wollen Qualität sehen, das Beste für ihr Geld bekommen und Sicherheit haben. Diese kritische Verbraucherhaltung deckt sich mit unserem Verantwortungsgefühl. Deshalb handelt Lidl im Einkauf schon heute für morgen.

 

IHRE FRAGEN
Experten antworten

Weniger Zucker in Lebensmitteln – mehr als nur ein PR-Gag?

Oliver Huizinga
Leiter Recherche und Kampagnen Foodwatch Deutschland

„Der überhöhte Zuckerkonsum, vor allem in Form von Getränken, ist ein Risikofaktor für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Zwar ist es begrüßenswert, dass Lidl den Zuckeranteil seiner Eigenmarkenprodukte senken möchte. Doch eine solche freiwillige ‚Reformulierung‘ ist für sich genommen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es braucht gesetzliche Maßnahmen, um eine gesunde Ernährung zu erleichtern: eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung oder auch eine Limonadensteuer nach britischem Vorbild. Es ist auch an Lidl, für eine progressive Gesundheitspolitik einzutreten.“

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Ziele für nachhaltige Entwicklung
GRI-Indikatoren/Wesentlichkeitsmatrix

Wir tragen als Handelsunternehmen eine besondere Verantwortung gegenüber unseren Kunden und der Gesellschaft. Deshalb stehen die Bedürfnisse unserer Kunden und der Gesellschaft bei der Weiterentwicklung von Lebensmitteln, dem Ausbau unserer Sortimente mit nachhaltigeren Produkten und der transparenten Kennzeichnung unserer Waren stets im Mittelpunkt.
kunden

Ausblick 
Kunden und Gesellschaft

Transparenz schaffen – Verantwortung leben

Wir überprüfen laufend, wie wir unser Sortiment nachhaltiger gestalten können, und informieren unsere Kunden transparent. Wir schaffen gesell­schaftlichen Mehrwert, indem wir zahlreiche Organisationen unterstützen.

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