Lieferkette und Verarbeitung

Als großes Handelsunternehmen beziehen wir unsere Produkte über regionale, nationale und globale Lieferketten. Unser Ziel ist es, die Prozesse bei der Verarbeitung der Rohstoffe im Blick zu haben. Dies umfasst sowohl Prozesse wie die Gestaltung der Verpackung, auf die Lidl direkteren Einfluss hat, als auch vorgelagerte Wertschöpfungsstufen der Weiterverarbeitung beispielsweise von pflanzlichen und tierischen Produkten.

Eigenmarkenartikel im Food- wie im Non-Food-Bereich beschaffen wir über ausgewählte Geschäftspartner, mit denen wir seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Unsere Anforderungen zu Sozial- und Umweltstandards haben wir im Verhaltenskodex dem Lidl-Code of Conduct festgeschrieben, der für Vertragspartner verbindlich ist.

Bei der Umsetzung unterstützen wir unsere Geschäftspartner durch Trainingsmaßnahmen vor Ort und durch einen kontinuierlichen Austausch. Daraus leiten wir gemeinsam konkrete Projekte ab, die unsere Partner bei der nachhaltigeren Produktion unterstützen.
Matrix-Lieferkette

Nachhaltigkeits­programm:
Ziele und Maßnahmen

ZIELTERMINGEPLANTE MASSNAHMENIM BERICHTSZEITRAUM DURCHGEFÜHRTE MASSNAHMENSTATUS
Lieferkette und Verarbeitung: Ressourcen schonen – Fairness leben
Umweltstandards in der Lieferkette1
Umsetzung des Detox-Commitments
Vermeidung der von Greenpeace definierten Chemikalien in der Textilproduktion
2020Vermeidung der von Greenpeace definierten Chemikalien in der Textilproduktion

Weitere Abwassertests

Weitere Umsetzung eines Schulungsprogramms zu betrieblichem Umwelt- und
Chemikalienmanagement für Textilproduzenten
Erstellung einer kombinierten Chemikalienverbotsliste
(Manufacturing Restricted Substances List/Restricted Substances List)

Durchführung von Abwassertests

Umsetzung der Phase 1 eines Schulungsprogramms zu betrieblichem Umwelt- und Chemikalienmanagement für Textilproduzenten
Sozialstandards in der Lieferkette1
Sukzessive Erhöhung der Arbeitssicherheits- und Gesundheitsstandards
bei Lieferanten, insbesondere in Südostasien, durch gezielte Maßnahmen der
Kompetenzförderung
LaufendUnterzeichnung des erneuerten internationalen Brandschutzabkommens für
Bangladesch 2018 – 2021. Inhalt des Abkommens ist u.a. die Stärkung von
Gebäudesicherheit.

Stärkung von Gebäudesicherheit, Brandschutz sowie gezielte Aufklärung über
Arbeitnehmerrechte in den Textilfabriken

Fortsetzung des Supplier-Qualification-Projektes mit der GIZ in Bangladesch sowie
des darin angebotenen kostenfreien Gesundheitsdienstes
Beim Supplier-Qualification-Projekt mit der GIZ wurden z.B. mehr als 15.500 Patienten versorgt, darunter auch Frauen während der Schwangerschaft unterstützt und ihnen essenzielle Impfungen verabreicht
Durchführung von jährlichen Sozialaudits in Lieferketten,
für die ein erhöhtes Risiko für Arbeits- und Menschenrechte ermittelt wurde
LaufendFortführung des Sozialauditprogramms und Erweiterung um zusätzliche AnsätzeDie Hersteller von Lidl-Eigenmarkenprodukten (Non-Food) werden durch unabhängige Institute gemäß amfori BSCI auditiert.
Steigerung von Transparenz in der Lieferkette von Eigenmarkentextilien und -schuhenLaufendAktualisierung der veröffentlichten Liste alle sechs MonateVeröffentlichung der über 600 Lieferanten für Textilien und Schuhe
Unterstützung kleinbäuerlicher Erzeuger vor Ort
im Kaffeeanbau in Bolivien
LaufendProjektphase 2 in Bolivien (Oktober 2018 bis Februar 2019): Ausweitung und Festigung des Projektes in Höhe von 50.000 EuroProjektphase 1 (2016 über 2017) in Bolivien: 150.000 Euro Projekthilfe für Kaffeeanbauern: Förderung des Aufbaus von Baumschulen und Unterricht für Bauern in der nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Felder

Ziel begonnen | Ziel fortgeschritten | Ziel erreicht | Fortlaufendes Ziel

1 GRI 103

Wir kaufen verarbeitete Produkte und Rohwaren von externen Lieferanten ein und geben sie an unsere Kunden weiter. Soziale und ökologische Auswirkungen haben vor allem die Produktion und Verarbeitung in der Lieferkette. Wir sehen unsere Verantwortung aus diesem Grund auch im Herstellungsprozess unserer Produkte. Daher haben wir das Ziel sicherzustellen, dass ökologische und soziale Auswirkungen bei der Herstellung von Lidl-Produkten berücksichtigt und, wo möglich und notwendig, verbessert werden.

Zur Bestimmung etwaiger Potenziale finden regelmäßig ein internationaler Austausch via Videokonferenzen und persönliche Treffen mit allen Fachbereichen statt. Ziele und Maßnahmen werden gemeinsam mit dem für die Sortimentsgestaltung zuständigen Einkauf definiert. Gemeinsam erarbeitete Positionen werden veröffentlicht. Für die Datenerfassung nutzen wir Warenwirtschafts- und Informationssysteme. 
 

HERAUSFORDERUNGEN IN DER LIEFERKETTE AM BEISPIEL EINES T-SHIRTS

Der Weg eines T-Shirts von der Produktion bis in die Lidl-Filialen beginnt rund 18 Monate vor dem Verkauf an unsere Kunden. Die Textillieferkette erstreckt sich über verschiedene Länder und schließt eine Vielzahl von Lieferanten und Sublieferanten mit ein.
 

Baumwollanbau, Entkörnung 

Baumwolle ist eine Naturfaser, die aus den Samenkapseln der Baumwolle gewonnen und anschließend in Spinnereien weiterverarbeitet wird.

Eine intensive Bewässerung und Düngung sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kennzeichnen den Baumwollanbau. Die Einhaltung sozialer Mindeststandards sowie sicherer Arbeitsbedingungen für die Bauern und Arbeiter ist eine Herausforderung.

Garnerzeugung (Spinnerei) und Flächenerzeugung

In der Spinnerei, die oftmals in einem anderen Land liegt als die Baumwollfarm, werden kürzere Fasern und Verunreinigungen aus der Baumwolle entfernt. Die Baumwollfasern werden zu einem Garn versponnen und anschließend zu Flächengebilden weiterverarbeitet.

Veredelung und gegebenenfalls Ausrüstung

In der Veredelung werden die textilen Flächengebilde gebleicht, gefärbt, bedruckt und geglättet. Bei Bedarf können Textilien mit einem künstlichen UV-Schutz impräg­niert werden.

Die Veredelung findet mithilfe von Chemikalien und unter Wasser- und Energieeinsatz statt. Dies kann zu negativen Auswirkungen sowohl auf die Natur als auch auf die Gesundheit der Arbeiter führen.

Konfektion

In der Konfektion erfolgen der Zuschnitt der textilen Stoffe und die Herstellung des fertigen T-Shirts. Die Arbeitsbedingungen der Näherinnen und die Gewährleistung von Arbeitssicherheitsstandards sind soziale Herausforderungen.

Lager/Transport/Handel

Das T-Shirt wird verkaufsfertig verpackt und bis zum Warenversand eingelagert. Der Transport erfolgt mit dem Schiff von Asien nach Europa. Eine ökologische Herausforderung ist insbesondere der große Anteil an Plastikverpackungen.

 

 

grafik_baumwolle

Umweltstandards in der Lieferkette

Lidl ist einer der größten Lebensmittelhändler und gleichzeitig einer der führenden Textileinzelhändler in Deutschland. Vor allem bei unseren Textil- und Schuheigenmarken können wir unseren Einfluss geltend machen, um Umweltauswirkungen in der Lieferkette zu reduzieren. Wie in der Branche weltweit üblich, werden rund 80 Prozent unserer Eigenmarkenprodukte in Bangladesch und China gefertigt. Entsprechend legen wir den Schwerpunkt unserer Maßnahmen in diese Länder. Dabei beachten wir besonders Nassprozessbetriebe, da sich das Färben und Waschen der Textilien am stärksten auf die Umwelt auswirken.

Mit unseren Lieferanten und Geschäftspartnern arbeiten wir daran, Lieferketten transparenter zu machen. Wir wollen die Umweltbilanz von textilen Fertigungsstätten verbessern – insbesondere indem wir auf von Greenpeace als bedenklich eingestufte Chemikalien verzichten. Daher legen wir besonderen Wert auf die Einhaltung von Umweltstandards und befähigen unsere Partner, ihre Umweltschutzmaßnahmen stetig weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, so mögliche negative Auswirkungen für die Umwelt zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. In Veranstaltungen vor Ort kommunizieren wir unsere Erwartungen an die Lieferanten, die wir ihnen auch als Guidelines und Vorgaben zugänglich machen. Zudem prüfen wir die Einführung eines Beschwerdeverfahrens.2

Lidl erstellt spezifische Vorgaben und kontrolliert deren Einhaltung durch Audits und Abwassertests. Ein internes System zur Überwachung von Umweltauswirkungen wurde dafür aufgebaut. Um die Umweltauswirkungen unserer vorgelagerten Lieferkette zu ermitteln, wollen wir den Austausch mit unseren Geschäftspartnern ausbauen und engagieren uns in Multi-Stakeholder-Initiativen. Die Umweltleistung der Betriebe prüfen unabhängige, akkreditierte Prüfinstitute. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum 180 Audits durchgeführt. Eine Überarbeitung und Weiterentwicklung der Kriterien für neue Betriebe wird aktuell geprüft.3

2 GRI 103
3 GRI 308-2

 

 

Lidl-Detox-Commitment

In der Textilproduktion kommen bei Verarbeitungsprozessen Chemikalien zum Einsatz. Unser Ziel ist es, dass potenziell bedenkliche Substanzen, wie z.B. per- und polyfluorierte Substanzen (PFCs) und Alkylphenole und deren Ethoxylate (APEOs) aus der Produktion bis 2020 entfernt und diese durch unbedenkliche Substanzen ersetzt werden. Dafür ist Lidl 2014 der Detox-Kampagne von Greenpeace beigetreten und hat ein Detox-Commitment abgegeben.

Die bedenklichen Substanzen hat Lidl in einer Chemikalienverbotsliste erfasst. Seit 2015 ist diese neben der Einhaltung der nationalen Gesetzesvorgaben vertraglicher Bestandteil bei der Auftragsvergabe an Textillieferanten für unsere Eigenmarken. Die Liste führt Substanzen auf, die im Herstellungsprozess nicht erlaubt sind (Manufacturing Restricted Substances List, MRSL), sowie Substanzen, die zum Schutz unserer Kunden und der Umwelt im fertigen Produkt nicht enthalten sein dürfen (Restricted Substances List, RSL).

Wie effektiv das Chemikalienmanagement der Betriebe ist, zeigen Abwasser- und Klärschlammtests. Einmal jährlich überprüfen unabhängige Institute die Hersteller von Textilien und Schuhen, die Nassprozesse verwenden, auf den Einsatz bedenklicher Substanzen. Diese sind, basierend auf der Stoffverbotsliste, im Lidl-Abwasserstandard definiert.4 Die Ergebnisse der Abwassertests werden auf www.IPE.org veröffentlicht und zuvor mit den Betrieben besprochen. Danach werden Zielvereinbarungen definiert. Im Berichtszeitraum wurde in 226 Betrieben das Abwasser bezüglich der ausgeleiteten Chemikalien überprüft. Neben dieser indirekten Prüfung wird stichprobenartig das Chemikalieninventar kontrolliert. Dies wird zukünftig durch ein eigens von uns entwickeltes Monitoringsystem noch effizienter gestaltet.

Beispielhaft für unsere Fortschritte im Rahmen unseres Detox-Commitments sind folgende Meilensteine:

  • Durchführung von Informations- und Schulungsveranstaltungen mit Herstellern in Bangladesch und China, die Nassprozesse anwenden
  • Durchführung und Veröffentlichung von Fallstudien zur Substitution von per- und polyfluorierte Chemikalien  (PFC) und Dimethylformamid (DMF) in Polyurethan (Kunstleder)
  • Gesteigerte Transparenz durch die Erfassung der tieferen Textillieferkette
  • Start eines Trainingsprogramms in Kooperation mit der GIZ zu einem produktionsintegrierten Umweltschutz
  • Erfassung der Fasermengen und Ableitung von Maßnahmen
  • Steigerung des Anteils an GOTS-zertifizierter Biobaumwolle auf derzeit fünf Prozent
  • Umstellung auf umweltfreundliche Viskose des Herstellers Lenzing
  • Kooperation zur Entwicklung von ökoeffektiven ­Textilien mit dem Forschungs- und Beratungsinstitut EPEA Internationale Umweltforschung und der Designagentur Beneficial Design Institute


Ein weiteres Ziel konnten wir 2017 erreichen: 100 Prozent der Beschichtungen aus per- und polyfluorierten Substanzen (PFCs) werden durch das umweltschonende Bionic-Finish ECO ersetzt. Einzige Ausnahme sind wasserabweisende Reißverschlüsse im Sportbereich, für die wir noch keine alternative Lösung finden konnten, aber aktiv daran arbeiten.

Wie weit wir auf unserem Weg schon gekommen sind, können Sie im aktuellen Zwischenbericht 2017 unter www.lidl.de/detox nachlesen.

Weitere Informationen erhalten Sie hierzu unter www.lidl.de/abwasserbericht.

4 Für die Erarbeitung der eigenen Stoffliste dienten als Referenzen: die Greenpeace-Liste bedenklicher Substanzen, die SIN-Liste des NGO ChemSec und die ZDHC-Liste. Ferner haben wir mit CHT-Bezema und den Handelslaboratorien Hohenstein und PFI gesprochen.

 

Ressourcenschonung in der Textilproduktion

In der Textilproduktion beziehungsweise -veredelung sind Wasser und Energie die am stärksten eingesetzten Ressourcen. Auch hier setzen wir auf die Optimierung von Prozessen, um den Ressourceneinsatz signifikant zu senken. Erreichen wollen wir dies, indem wir ein verantwortungsvolles Ressourcenmanagement in den textilen Fertigungsstätten in China und Bangladesch etablieren. Dazu zählen neben Einsparungen im Energie- und Chemikalieneinsatz auch die Senkung des Wasserverbrauchs und die effiziente und umweltverträgliche Entsorgung von Abwasser und Abfällen. Dafür schulen lokale Experten die Mitarbeiter im Rahmen des Projektes PURE in den Textilbetrieben. In Zusammenarbeit mit der GIZ übernimmt Lidl die Kosten für die Teilnahme am Projekt. Die Teilnehmer lernen, den Ressourcenverbrauch der Standorte systematisch zu erfassen, Leistungsindikatoren zu definieren und individuelle Einsparpläne zu entwickeln. Für die Erfassung der eingesetzten Wassermengen werden beispielsweise Wasserzähler installiert. Zusätzlich unterstützen wir die Fertigungsstätten dabei, Lösungen zur weiteren Optimierung von Produktionsprozessen zu finden.5

5 GRI 303-1

Ergänzend zur Optimierung der Produktionsprozesse beschäftigt sich Lidl in Kooperation mit dem Forschungs- und Beratungsinstitut EPEA mit der Entwicklung und Markteinführung kreislauffähiger bunt bedruckter Textilprodukte. Damit bringen wir ein Cradle-to-Cradle-Produkt zur Massenmarkttauglichkeit und sind somit Innovationstreiber. Unser Anspruch ist es, Eigenmarkentextilprodukte im Hinblick auf ihre Langlebigkeit und Qualität so zu gestalten, dass eine Wiederverwendung und -verwertung möglich ist. Damit können wir dazu beitragen, den Rohstoffverbrauch zu senken und Abfallmengen zu reduzieren. Als erstes Pilotprojekt wird aktuell ein recyclingfähiges T-Shirt entwickelt, das im Vergleich zu herkömmlich produzierten T-Shirts nach seiner Nutzung vollständig in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Aus dem eingesetzten Material können so wieder neue Nährstoffe für Pflanzen entstehen. Das T-Shirt soll bereits 2019 in Lidl-Filialen erhältlich sein.

 

 

SOZIALSTANDARDS IN DER LIEFERKETTE

Die Wertschöpfungskette von Lidl umfasst eigenständige Lieferanten und deren Mitarbeiter auf fünf Kontinenten. Die daraus resultierende Verantwortung nehmen wir ernst. Gerade in Sourcingländern aus dem Mittleren Osten sowie den Regionen Asien-Pazifik oder Afrika besteht ein Risiko widriger sozialer Auswirkungen auf Mitarbeiter.

Als Grundlage unserer Geschäftsbeziehungen dient deshalb der Code of Conduct von Lidl, der die Kernnormen der Konventionen der International Labour Organization (ILO) beinhaltet: Er verpflichtet unsere direkten und indirekten Geschäftspartner zur Achtung der Menschenwürde, Einhaltung gesetzlicher Vorschriften sowie zur Anerkennung der Konventionen der ILO und der Vereinten Nationen. Jegliche Form von Kinder- oder Zwangsarbeit sowie Menschenrechts- und Arbeitsrechtsverletzungen bei der Herstellung und Lieferung der Waren lehnt Lidl grundsätzlich ab. Sicherheit am Arbeitsplatz, Versammlungsfreiheit, faire Vergütung und Gleich­behandlung werden dort ebenfalls geregelt. Regional stellt Lidl zusätzliche Anforderungen, beispielsweise die Teilnahme am ILO-Programm Better Work für ausgewählte Non-Food-Hersteller.

Das Thema Sozialstandards im Non-Food-Bereich wird zentral gesteuert und die Einhaltung der Anforderungen mittels einer Lieferkettenerfassung und der Steuerung gezielter Projekte überwacht. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass die von uns vorgeschriebenen Mindeststandards einschließlich des Schutzes der Vereinigungsfreiheit umgesetzt werden. 

Sollten Mitarbeiter mit Problemen konfrontiert werden, steht ihnen über die Europäische Supply-Chain-Initiative ein Beschwerdeverfahren zur Verfügung. Zusätzlich unterstützt Lidl länderspezifische Beschwerdeverfahren. Da Lidl den Bangladesh Accord on Fire and Building Safety unterzeichnet hat, steht Textilarbeitern im Land ein unabhängiger Beschwerdemechanismus zur Verfügung.6

6 GRI 103

Durch Veranstaltungen und Gesprächsrunden in den Produktionsmärkten kommunizieren wir unsere Erwartungen an die Akteure in der Lieferkette. Denn für die Überwachung der Vorgaben vor Ort sind unsere Geschäftspartner zuständig. Sie sind angehalten, speziell ausgebildete Mitarbeiter zu beschäftigen, negative soziale Auswirkungen zu identifizieren, zu korrigieren und zukünftig zu vermeiden. Ergänzend dazu führen im Non-Food-Bereich unabhängige akkreditierte Prüfinstitute jährliche Sozialaudits bei allen unabhängigen Herstellern durch, die mit der Herstellung von Lidl-Eigenmarken beauftragt werden. Allein bei Bekleidungsherstellern wurden im Berichtszeitraum rund 600 Sozialaudits entsprechend dem Verhaltenskodex der amfori Business Social Compliance Initiative (BSCI) durchgeführt.7

7 GRI 414-2

Lidl strebt grundsätzlich an, Geschäftsbeziehungen aufrechtzuerhalten. Wir versuchen, soweit es möglich ist, in gemeinsamer Aufarbeitung mit dem Hersteller und lokalen Partnern die gegebenenfalls identifizierten Missstände zu beheben. Um das Risiko einer erneuten negativen Auswirkung zu minimieren, werden zudem umfassende Situationsanalysen durchgeführt. Der Anteil der Non-Food-Produzenten beispielsweise, mit denen Geschäftsbeziehungen aufgrund eines erheblichen Verstoßes gegen den Lidl Code of Conduct beendet wurden, lag daher in der Vergangenheit bei unter 0,1 Prozent.

 

DIE SITUATION VOR ORT VERBESSERN

Wir versuchen, unseren positiven Einfluss stetig auszuweiten und Sozialstandards weiter in unseren Lieferketten zu implentieren. Den größten Einfluss können wir hier auf unsere Lieferanten des verkaufsfertigen Produkts (Tier one) ausüben.

Internationale Initiativen

amfori Business Social Compliance Initiative (BSCI)

Seit 2007 ist Lidl über den europäischen Außenhandelsverband Mitglied in der Gemeinschaftsinitiative amfori Business Social Compliance Initiative. Gemeinsam mit rund 2.000 Mitgliedern machen wir uns dafür stark, dass international anerkannte Sozialstandards in der Lieferkette umgesetzt werden. Dazu lassen wir bei allen Tier-one-Textileigenmarken-Herstellern in außereuropäischen Produktionsländern jährlich unabhängige Kontrollen durchführen. Sie werden unangekündigt von externen, landessprachlichen und qualifizierten Prüfern ausgeführt. Um die Situation in unseren Lieferketten kontinuierlich zu verbessern, werten wir die Ergebnisse systematisch aus, stoßen Verbesserungsmaßnahmen an und überprüfen deren Einhaltung. Neue Lieferanten im Non-Food-Bereich, die nach Einschätzungen der Stakeholder und Indizes – etwa des BSCI Country Risk Index und des Global Rights Index – ein erhöhtes Risiko darstellen, überprüft Lidl anhand des BSCI Audits oder des SA8000-Zertifikats, des internationalen Standard for Social Accountability.

Brandschutz und Gebäudesicherheit (ACCORD)

Um die Arbeitssicherheit zu verbessern, ist Lidl Mitglied im Bangladesh Accord on Fire and Building Safety 2013 – 2018. Lidl ist einer der ersten Unterzeichner des Folgeabkommens für den Zeitraum von 2018 bis 2021. Ziel ist es, die Arbeitnehmer durch Infrastruktur- und Trainingsmaßnahmen aktiv in die Implementierung von Brandschutzmaßnahmen einzubeziehen und diese dadurch kontinuierlich zu verbessern. Rund 1,4 Millionen Arbeiter vor Ort nahmen seit 2012 an Trainings rund um Brandschutz und Sicherheit teil. Zudem wurden durch die Zusammenarbeit zahlreicher Marken und Händler sowie lokaler und internationaler Arbeitnehmerverbände rund 1.600 Textilfabriken in Bangladesch bezüglich Brandschutz und Gebäudesicherheit inspiziert. Darauf basierend wurden umfassende Verbesserungsmaßnahmen definiert und umgesetzt: Für Lidl produzierende Hersteller haben dabei bereits überdurchschnittliche Fortschritte erreicht.8

8 GRI 413-1

 

Nationale Initiativen

Bündnis für nachhaltige Textilien

Lidl hat als Mitglied das Bündnis für nachhaltige Textilien von Anfang an begleitet und seine Entstehung aktiv unterstützt. Das Bündnis für nachhaltige Textilien ist eine Multi-Akteur-Partnerschaft mit rund 190 Partnern aus Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Standardorganisationen und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Die Ziele des Bündnisses sind soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der gesamten Textillieferkette. Ein Aktionsplan des Textilbündnisses mit gemeinsamen Umsetzungsanforderungen und Indikatoren bildet dabei die Arbeitsgrundlage für eine kontinuierliche Verbesserung der gesamten Textillieferkette.

Die Mitgliedschaft im Bündnis für nachhaltige Textilien ist Teil unseres Selbstverständnisses, nach dem ein sektorales Engagement aller nationalen und internationalen Akteure für eine dauerhafte Umsetzung von Sozial- und Umweltstandards vor Ort unabdingbar ist. Für die inhaltliche Weiterentwicklung bringt sich Lidl daher aktiv mit seiner Expertise in mehrere Arbeitsgemeinschaften des Bündnisses ein.

 

Fairtrade-Produkte

Als erster Lebensmittelhändler Deutschlands haben wir bereits 2006 Produkte mit dem Fairtrade-Siegel unter der Eigenmarke „Fairglobe“ eingeführt. Von Kaffee über Schokolade bis hin zu Orangensaft und vielen weiteren Artikeln reicht das Sortiment. Auch im Non-Food-Bereich finden Kunden Produkte mit dem unabhängig kontrollierten Siegel, z.B. bei den Textilien. Über 1,6 Millionen Kleinbauern und Beschäftigte können heute von festen Mindestpreisen und der Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte profitieren.

Die klar definierten Standards von Fairtrade schreiben u.a. die Zahlung einer Prämie für Produzentengruppen in Afrika, Lateinamerika und Asien vor. Diese können Dörfer und Familien aus eigener Kraft stärken sowie Lebens- und Arbeitsbedingungen vor Ort nachhaltig verbessern. Sie erhalten eine Stimme und entscheiden selbstbestimmt. Die Standards werden regelmäßig vor Ort überprüft.



2006 haben wir als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland Produkte mit Fairtrade-Siegel unter der Eigenmarke „Fairglobe“ eingeführt.

Weitere Informationen zu unserer Zusammenarbeit mit TransFair Deutschland e.V. unter www.lidl.de/fairtrade.

Fairtrade-Kakao-Programm

Seit 2014 sind wir Partner – einer der ersten – im Fairtrade-Kakao-Programm. Das Programmsiegel darf nur auf der Verpackung abgebildet werden, wenn die für das Produkt benötigte Kakaomenge zu 100 Prozent zu Fairtrade-Bedingungen eingekauft wurde. Die kakaohaltigen Cerealien der Lidl-Qualitätsmarke „Crownfield“, das saisonale „Favorina“-Sortiment und unsere hochwertigen Tafelschokoladen von „Fin Carré“ wurden bereits umgestellt. Das Fairtrade-Kakao-Programm ermöglicht es uns, kakaohaltige Produkte auch in Preiseinstiegsbereichen anzubieten und so Fairtrade-Produkte in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.

 

Im Rahmen der Fairen Woche, der größten bundesweiten Aktion des Fairen Handels, unterstützen wir seit 2008 regelmäßig Fairtrade-Kaffee- oder Bananenkooperativen mit einem zusätzlichen Beitrag für Projekte über die Mindestpreise und Fairtrade-Prämie hinaus. Bis Ende 2017 haben wir diese Projekte mit 500.000 Euro gefördert.

Für das langjährige Engagement im fairen Handel wurden wir 2016 mit dem Fairtrade Award in der Kategorie „Handel“ ausgezeichnet.

 

 

 

 

LIEFERANTEN- UND MARKTENTWICKLUNG

Wir wollen unsere Lieferanten dazu befähigen, Nachhaltigkeitsstandards und Leistungsvereinbarungen einzuhalten und diese kontinuierlich zu verbessern. Vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen sowie die Sensibilisierung von Lieferanten und Trainings stehen hier im Fokus. Dabei folgen wir dem Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ und setzen auf langfristige Geschäftsbeziehungen, basierend auf dem Lidl-Code of Conduct und den Lidl-Unternehmensprinzipien. Wir fördern ebenfalls einen aktiven Dialog mit unseren Partnern durch regelmäßige Gespräche und durch gemeinsame Projekte. Dabei integrieren wir insbesondere auch die Mitarbeiter der jeweiligen Unternehmen.

Zusammenarbeit mit Siegelpartnern

Insbesondere komplexe Wertschöpfungsketten sind eine Herausforderung. Hier sehen wir vor allem die Siegelorganisationen als Partner, um Bedürfnisse beim Produzenten zu erkennen und zu erfüllen. Denn Siegel bieten Kunden und Stakeholdern Transparenz durch Informationen auf den Verpackungen. Zugleich werden durch sie internationale Standards etabliert. Das Fairtrade-Siegel beispielsweise stärkt Produzentengruppen in Afrika, Lateinamerika und Asien. Die Auszahlung einer Fairtrade-Prämie hilft Kleinbauern und Arbeitern vor Ort, ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Auch das UTZ-Certified-Rückverfolgbarkeitssystem schafft Transparenz durch Zertifizierungen u.a. von Kaffee nach ökonomischen, sozialen und ökologischen Standards. Mithilfe von Schulungen zu Anbaumethoden, Umweltschutz und effizienteren Prozessen für ein höheres Einkommen soll zudem der Lebensstandard der Produzenten verbessert werden. Ab 2019 wird die Initiative darüber hinaus ein Zertifizierungsprogramm mit der Rainforest Alliance realisieren, um Artenvielfalt, ökologische Landnutzung sowie sozial verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln zu stärken. Wir wollen diesen positiven Einfluss unterstützen und fördern deshalb gezielt die Umstellung auf zertifizierte Produkte. Die Warenverfügbarkeit und Qualität werden dabei berücksichtigt. Umsatzstarke Artikel spielen hierbei eine wichtige Rolle, um einen möglichst großen und direkten Effekt zu erzielen.

Um eine dauerhafte Verbesserung von sozialen und ökologischen Standards bei Lieferanten im Ausland zu erreichen, müssen alle Akteure zusammenarbeiten. Wir engagieren uns beispielsweise als Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien und sind aktives Gründungsmitglied im deutschen Forum Nachhaltiger Kakao. Als Mitglied der European Supply Chain Initiative (SCI) fördern wir gezielt faire Geschäftspraktiken in der Lebensmittelbranche. Die Mitglieder der SCI setzen sich für eine faire und transparente Bewältigung von Konflikten zwischen Geschäftspartnern ein.

Weitere Informationen unter www.kakaoforum.de.

Partnerschaft mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Bereits seit zehn Jahren arbeiten wir projektbezogen Hand in Hand mit erfahrenen Partnern wie der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Über eine Kooperation mit der GIZ initiiert Lidl beispielsweise gezielte Trainingsmaßnahmen zu Sozial- und Umweltstandards bei Herstellern unserer Non-Food-Produkte, verbessert die medizinische Versorgung der Mitarbeiter und fördert eine angemessene Entlohnung bei Lieferanten. Rund 20 GIZ-Mitarbeiter arbeiten für Lidl in Bangladesch, um in Schulungen internationale Arbeits- und Umweltschutzstandards zu vermitteln. Ziel ist es, Verbesserungen bei Entlohnung, Überstunden, Arbeitsgesundheit und -sicherheit, Beseitigung von Benachteiligung am Arbeitsplatz, Arbeitervertretung und Versammlungsfreiheit zu erwirken und nach Möglichkeit dauerhaft umzusetzen. Bisher haben rund 80 Hersteller diesen Prozess durchlaufen.

Im Rahmen der Projektphase 2016 bis 2017 wurden rund 15.500 Patienten medizinisch behandelt. Dazu gehörten Vorsorgeuntersuchungen, Sehtests, Blutgruppenbestimmungen und Tetanusimpfungen. Da das Projekt zu 100 Prozent von Lidl finanziert wird, können alle Teilnehmer kostenfrei von den Maßnahmen profitieren.

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Transparenz

Da Transparenz ein wichtiger Schritt zu Verbesserungen in den globalen Lieferketten ist, haben wir Anfang 2017 als erster Lebensmitteleinzelhändler mit Non-Food-Sortiment eine Liste der über 600 Lieferanten unserer Textil- und Schuheigenmarken und ihrer Hauptproduktionsstätten veröffentlicht und aktualisieren diese halbjährlich.

Weitere Informationen zu den Lieferanten finden Sie unter www.lidl.de/lieferkettentransparenz.

 

 

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